Biografien

Begas, Reinhold

* 15.07.1831 in Berlin
† 03.08.1911 in Berlin
Bildhauer und Maler

Begas entstammt einer bedeutenden Berliner Künstlerfamilie: Sein Vater Carl war ebenso wie Reinholds Brüder Oskar und Adalbert Franz Eugen Maler, sein anderer Bruder, Karl Joseph, und sein Sohn Werner waren wie er selbst Bildhauer. Durch seinen Vater und den Berliner Bildhauer Ludwig Wichmann, der auch sein Taufpate war, erhielt Reinhold erste Anleitungen auf seinem künstlerischen Werdegang. Bereits im Jahre 1846 nahm er an der Königlichen Kunstakademie in Berlin sein Studium auf. Zunächst noch unter Schadow lernend, war er zwischen 1848 und 1855 Schüler Rauchs, beide Bildhauer waren, wie Wichmann, seine Taufpaten. In diesen Jahren entstanden erste eigenständigen Arbeiten, vor allem die Gruppe 'Hagar und Ismael' (versch.), mit der er im Jahre 1852 auf der Berliner Akademieausstellung sein hochgelobtes Debüt gab. Das dort präsentierte Modell wurde im Anschluß an die Ausstellung in Marmor gehauen und von Henry Strousberg, einem Eisenbahnmagnaten, erworben. Trotz der langjährigen Studienzeit bei Rauch folgte Begas bei der Ausformung seiner Idee nicht der strengen neoklassizistischen Idealität seines Lehrers, sondern suchte nach alternativen künstlerischen Ausdrucksmitteln. Deutlich dokumentiert sich die stilistische Orientierung am frühen Klassizismus, besonders an Schadow, die sein Frühwerk dominiert: König Friedrich Wilhelm IV. wurde bei einem Besuch im Atelier von Begas Vater Carl auf das von dem jungen Bildhauer gefertigte Modell eines Christuskopfes aufmerksam und beauftragte ihn, den Entwurf in Marmor auszuführen. Mit einem Stipendium der Akademie verbrachte er danach Jahre in Rom. Nach seiner Rückkehr nach Berlin im Jahre 1858 bekam Begas erste öffentliche Aufträge. 1860 wurde er als Kunstprofessor an die neugegründete Kunstschule nach Weimar berufen, trat aber schon 1862 von diesem Amt zurück und ließ sich schließlich, nach erneuten Reisen nach Rom und auch Paris, endgültig in Berlin nieder. Hier konnte er die Konkurrenz um ein Schiller-Denkmal für sich entscheiden, das 1871 auf dem Gendarmenmarkt aufgestellt wurde und sich seit 1988 wieder an diesem Ort befindet. Im selben Jahr gestaltete er die zu Ehren der aus Frankreich zurückkehrenden Truppen auf dem Potsdamer Platz aufgestellten Personifikationen 'Straßburg' und 'Metz' als monumentale, weibliche Sitzfiguren. Im Jahre 1872 heiratete Begas die erst fünfzehnjährige Margarethe Philipp. Die offizielle und internationale Annerkennung, die B. in den folgenden Jahrzehnten zugestanden wurde, dokumentieren zahlreiche Auszeichnungen, darunter die Goldene Staats-Medaille der 1. Internationalen Kunstausstellung in Wien (1883), der Orden Pour le mérite (1883), der Grand Prix auf der Weltausstellung 1900 in Paris. - In den 1880er Jahre war er mit der skulpturalen Gestaltung der "Ruhmeshalle" im Berliner Zeughaus beschäftigt. In den Jahren 1886 bis 1891 entstand der vor dem Alten Berliner Schloß aufgestellte 'Neptunbrunnen', der als eines der wichtigsten Werke von Begas gilt Der 'Neptunbrunnen' ist heute am Alexanderplatz aufgestellt. Während dieser Zeit war B. de facto immer mehr zum führenden Bildhauer Wilhelms II. und seines Hofes geworden. Es gab kaum einen größeren Auftrag, an welchem der Künstler nicht beteiligt wurde. Schicksal entscheidend bestimmte. Das 1892-1897 in Zusammenarbeit mit anderen Künstlern und Architekten errichtete monumentale 'Kaiser-Wilhelm-National-Denkmal' wurde 1950 im Zusammenhang mit der Sprengung des Stadtschlosses vernichtet: Ursprünglich westlich des Stadtschlosses situiert und als Apotheose des Kaisers gedacht, war es mit einer Gesamthöhe von 20 m und einer Höhe des bekrönenden Reiterstandbildes von 9 m eines der kolossalsten Monumente Europas. Reste befinden sich im Tierpark Friedrichsfelde. Ein ähnliches Schicksal hatten die Marmorgruppen des 'Markgrafen Waldemar' und 'Wilhelms I.', die er 1895-1902 für die "Siegeshalle" im Tiergarten geschaffen hatte: Sie wurden 1947 auf Beschluss der Alliierten abgebrochen und später zusammen mit anderen Bildwerken, die man als Symbole übersteigerten deutschen Machtstrebens ansah, teils zerstört, teils vergraben. Das gleichzeitig entstandene Monument des „Ehernen Kanzlers“ blieb erhalten und befindet sich heute am Großen Stern im Tiergarten. Von 1876 bis 1903 leitete er ein Atelier an der Berliner Akademie und war dort fast drei Jahrzehnte auch als Lehrer tätig. Nach sein Lebenswerk anlässlich seines 70. Geburtstages im Jahre 1906 auf einer großen, vom Verein Berliner Künstler organisierten Retrospektive in der Alten Hochschule für Musik in Berlin gezeigt worden war, verstarb der Künstler im Jahre 1911 in seiner Geburtsstadt.