Biografien

Pinnau, Caesar

* 09.08.1906 in Hamburg
† 1988 in Hamburg
Architekt.

Pinnau wurde am 9. August 1906 als Sohn einer alten Handwerkerfamilie in Hamburg geboren. Nach seiner Schulausbildung im Passmannschen Institut machte er ab 1921 eine vierjährige Tischlerlehre in der Werkstatt seines Vaters. Als Tischlergeselle arbeitete er zunächst in einer Hamburger Einrichtungsfirma, danach in einer Berliner Möbelfabrik. Ab 1927 begann er mit dem Studium der Innenarchitektur und Architektur an der Kunstgewerbeschule in Berlin. Noch im selben Jahr ging er nach München, wo er an der Staatlichen Hochschule für Angewandte Kunst bei Richard Berndl, Emil Praetorius und dem Bildhauer Josef Wackerle (1880 bis 1959) studierte. Studienaufenthalte in Italien folgten. Nach seinem Studium wurde er 1930 Mitarbeiter von Fritz August Breuhaus de Groot, bis 1932 in Düsseldorf, danach in Berlin bis 1937. In dieser Zeit traf er zum ersten Mal auf eine exklusive Klientel, für die er Repräsentationsvillen und Inneneinrichtungen entwarf. Daneben entwarf er 1931 - 1932 den Passagiertrakt des Luftschiffes LZ 129 “Hindenburg”, modern in seiner Klarheit und Zweckgebundenheit. 1932 wirkte Pinnau auch an Breuhaus de Groots Gründung einer privaten Kunstakademie namens „Contempora“ in Berlin mit. Albert Speer wurde auf ihn „wegen seiner qualitativen Facharbeit, seines handwerklichen Könnens bei der Ausstattung von Breuhausschen Villen für die Größen aus Wirtschaft und Partei“ aufmerksam. Ab 1937 erhielt er als selbständiger Architekt zahlreiche Aufträge von Albert Speer, darunter die Renovierung des Reichpräsidentenpalais anlässlich des Staatsbesuchs von Mussolini, 1938 die Innengestaltung der Neuen Reichskanzlei und die Planung von Bauten für das Projekt Nord-Süd-Achse in Berlin Anfang der 40er Jahre sowie ein nicht ausgeführtes 2000-Betten-Hotel (1939 bis 1940). Die Arbeit für Speer und für die Machthaber des Dritten Reichs brachte ihm lebenslang Kritik und Ablehnung ein und dauerte bis 1941. Noch 1940 erhielt er einen Lehrstuhl an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin. Nach 1945 eröffnete er in Hamburg und Frankfurt/Main ein Architekturbüro und arbeitete in zahlreichen Designerbereichen. Seine Arbeit basierte weitgehend auf dem Klassizismus und einer meist konservativen formalen Sprache ohne Zugeständnisse an den Modernismus. Material und Konstruktion seiner Gebäude waren von hoher Qualität und repräsentierten den sozialen Status seiner gewöhnlich hochstehenden Klientel. Zu seinen Auftraggebern gehörten unter anderem die Familien Oetker, Onassis, der Scheich von Kuwait und Stavros Niarchos, für den er dessen Yacht „Atlantis“ stylte. Zu seinen Tätigkeitsfeldern zählten neben Luxushäusern, oft in Blankenese, auch Kliniken und Schiffe, wie bsplw. 1952 der Innenausbau der Jacht „Christina“ mit 12 Gästezimmern für Aristoteles Onassis, für den er auch die Familienresidenz auf der Insel Scropio baute. Andere Großprojekte waren 1964 die Honigfabrik von Langnese in Hamburg-Bargteheide, 1971 der Olympia-Tower an der 5th Avenue in New York, 1977 –1978 das Verwaltungsgebäude für den Deutschen Ring in Hamburg und 1978 bis 1980 der Rheinisch-Westfälischen Bauindustrie in Münster, 1979 bis 1980 die Rekonstruktion und Erweiterung des Hotels Bristol in Paris. 1967 beauftragte ihn die Oetker-Familie zs. mit Philipp Johnson mit dem Entwurf der 1968 eröffneten monumentalen Bielefelder Kunsthalle; für diese hatte er bereits das Oetker-Altenstift gebaut. Er starb im Jahre 1988 in Hamburg. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof Ohlsdorf.